Internationales L’Aventure Peugeot Meeting 2025, 20. bis 22. Juni 2025 in Holland, Provinz Flevoland
Rund 130 Equipen aus mindestens fünfzehn europäischen Ländern mit einer Vielzahl verschiedenster Peugeot-Modelle trafen sich am 20. Juni 2025 auf dem Parkplatz des Fletcher Hotel in Marknesse in der Provinz Flevoland. Flevoland ist die zwölfte und jüngste Provinz der Niederlande. Sie wurde 1986 gebildet und besteht aus zwei grossen Teilen, dem Noordoostpolder und dem Flevopolder. Ein Polder ist Land, das durch Entwässerung gewonnen wurde. Zuvor befanden sich dort Teile des IJsselmeers und noch früher Teile der Zuiderzee.
Der Flevopolder ist die grösste „künstliche Insel“ der Welt. Entstanden ist diese durch das Anlegen zweier Polder, die direkt aneinander liegen. Vom alten Land ist der Flevopolder durch die sogenannten „randmeeren“ getrennt. Diese Seen wurden angelegt, um den Grundwasserspiegel im alten Land nicht zu gefährden. 1943 zogen die ersten Einwohner in den Noordoostpolder ein. Die Städte und Orte der Provinz wurden vor allem in den 1950er bis 1980er Jahren gebaut.
Die Schaffung der Polder erforderte komplexe hydrologische Bauten und Anlagen. Heute ist kaum noch vorstellbar, wie sich die komplizierten Kräfte, die auf grosse Wasserbauten einwirken, ohne Computer berechnet werde konnten. Früher wurde dazu unter anderem die Wirklichkeit nachgebaut. Im Waterloopbos im Noordoostpolder befinden sich die Reste massstabsgetreuer Modelle bekannter Wasserwerke. Das wasserbautechnische Labor führte hier von den 50er bis 90er Jahren gut 200 wasserlauftechnische Versuche durch.
Der Voorsterbos, in dem sich der Waterloopbos befindet, liegt auf der Grenze zwischen dem alten und dem neuen Land. Weil das neue Land viele Meter niedriger gelegen ist, gibt es hier ein natürliches Gefälle. Das Wasser strömt automatisch vom höher gelegenen alten Land zum tiefer gelegenen neuen Land. Mithilfe dieses strömenden Wassers und auch von Wehren, Dämmen und Wellenmaschinen wurde erforscht, welchen Einfluss bestimmte Kräfte auf die Bauwerke ausübten.
Inzwischen finden schon seit Jahrzehnten keine Prüfungen mehr statt, und die Modelle sind an vielen Stellen ganz von der Natur überwuchert. Alte Wasserrinnen, Wehre und Schleusen sind mit Sträuchern und Pflanzen bewachsen. Tiere wie Eisvögel und Libellen fühlen sich dank des vielen strömenden Wassers im Waterloopbos ganz zu Hause.
Die Anlage befindet sich ganz in der Nähe des Fletcher Hotel, unserem Standort während des Treffens. Vom Hotel aus führen mehrere Wanderwege in das interessante Gebiet, in dem die nun stillgelegten Anlagen zu besichtigen sind. Wer sich bereits am Freitagnachmittag einfand, hatte Gelegenheit, die einmaligen Anlagen zu besuchen.
Am nächsten Tag stand eine Fahrt nach Giethoorn auf dem Programm. Giethoorn ist ein grösstenteils autofreier Ort in der nordöstlichen Provinz Overijssel. Er ist für seine Wasserstrassen voller Boote sowie seine Spazierwege, Fahrradwege und jahrhundertealten Reetdachhäuser bekannt. Der Ort grenzt an einen Teil des Nationalparks Weerribben-Wieden, eine Sumpflandschaft, die einst ein beliebtes Torf- und Schilfabbaugebiet war. Vor langer Zeit nahmen Torfgräber Torf aus dem Boden, liessen ihn trocknen und schnitten später Torf. Bei zwei großen Überschwemmungen (1776 und 1825) wurden diese gefährdeten Trockenbänke weggespült und um Giethoorn entstanden Seen.
Um den Torf zu transportieren, wurden Gräben und Kanäle angelegt, die zur typischen Dorfstruktur von Giethoorn führten. Der traditionelle Transport für Giethoorn war der handgefertigte hölzerne „Gieterse Punter“, ein kleines Segelschiff. Heute gibt es elektrisch angetriebene Boote für etwa 20 Personen, mit denen die an Amsterdam oder Venedig erinnernden, aber ins Kleinformat übertragenen Verkehrswege befahren werden können. Mit solchen Booten besichtigten wir die einzigartige Ortschaft, bevor wir zum wohlverdienten Lunch übergingen. Anschliessend ging die Fahrt weiter durch die charakteristische Landschaft. Überraschend war dabei, dass wir an Städtchen vorbeifuhren, die offenkundig weitaus älter waren als die neu erstellten Polder. Dabei handelte es sich um ehemalige Hafenorte, die einst direkt am Meer lagen und durch die grosse Veränderung der Landschaft nun zu Binnenstädtchen wurden, allerdings mit Anschluss an das Kanalsystem und einer Verbindung zu einem Hafen. In diesem Gebiet existieren Landstrassen und Wasserstrassen nebeneinander, und so wie früher in der Schweiz wegen kreuzender Bahnlinien vor einer Schranke gewartet wurde, mussten wir mitunter vor einem Rotlicht anhalten, wenn eine Strassenbrücke über einem Kanal hochgezogen wurde. Da das gesamte Gebiet für Schweizer Verhältnisse topfeben ist, kamen auch die Vorkriegsmodelle problemlos voran.
Am Abend versammelten sich die Teilnehmenden zum Diner. Dabei bedankten sich die Vertreter von L’Aventure Peugeot bei der Association Peugeot Hollande, die bei dem Anlass federführend war und gleichzeitig ihr fünfzigjähriges Jubiläum feierte. Auch der ehemalige Präsident von L’Aventure Peugeot, Thierry Peugeot, nahm mit einem 203er an der Ausfahrt und am abendlichen Diner teil. Dies zeigt, dass er auch nach seiner Zeit als Präsident von L’Aventure Peugeot den internationalen Anlässen verbunden bleibt.
Am Sonntag führte der Ausflug nach Wirdum, einer Ortschaft in der Provinz Friesland (eine solche gibt es auch in den Niederlanden), wo wir das private Museum der Familie Haaima, Inhaberin einer grossen Peugeot-Niederlassung, besichtigten und uns mit einem feinen Lunch für die Rückreise stärkten. Die drei Equipen von Amicale Peugeot Suisse schafften auch die Rückfahrt – auf verschiedenen Routen – ohne Probleme.