Sommerausfahrt 2025 Nordwestschweiz

Sommerausfahrt 31. August 2025

Auf den letzten Augusttag des Jahres 2025 luden uns Ueli Eichelberger und Paul Kotzolt zur Sommerausfahrt in die Nordwestschweiz ein. Rund 45 Interessierte trafen sich im Restaurant Frickberg beim Golfplatz oberhalb von Frick. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Gipfeli stand ein Besuch des Jakob Müller Museums in Frick auf dem Programm. Dieses zeigt die Geschichte eines wichtigen Wirtschaftszweigs der Region. Die Seidenbandweberei wurde ursprünglich im 16. Jahrhundert von Glaubensflüchtlingen aus Italien und Frankreich in die Region Basel gebracht. Sie bezeichneten diesen Fabrikationszweig als «Passementerie». Der spätere Begriff Posamenterei leitet sich von diesem französischen Ausdruck ab. Unter Posamenterei versteht man gemeinhin das Weben von Borten, Fransen und Bändern.

Zwischen 1800 und dem frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich die Bandwebindustrie in der Nordwestschweiz zu einem wichtigen Industriezweig. Anfänglich wurden hauptsächlich Seidenbänder für den Export produziert, zunächst in Heimarbeit, später vermehrt in Fabriken. Im 19. Jahrhundert stand fast in jedem Bauernhaus ein Handwebstuhl. Die Bäuerinnen webten Seidenbänder, um den kargen Verdienst aus dem Hof aufzubessern, wobei auch Kinder mitarbeiteten. Die Herren aus Basel, die Bändelherren, lieferten ihnen das nötige Material und holten die fertigen Bänder wieder ab. Das grosse Geschäft machten dabei die Bändelherren.

Die Firma Jakob Müller AG, im Jahr 1887 in Frick als kleine Reparaturwerkstatt für Bandwebstühle gegründet, entwickelte sich im Lauf der Jahre zum Weltmarktführer in der Herstellung von Bandwebstühlen und konnte sich auch nach dem Aussterben der Seidenbandweberei in der Schweiz als solcher behaupten. Das Jakob Müller Museum ist das Firmenmuseum der Jakob Müller AG Frick. Es verfügt mit seinen 20 Bandweb- und Wirkmaschinen in Betrieb und vielen weiteren technischen Exponaten aus dem 17. Jahrhundert bis 1979 über die weltweit grösste Sammlung dieser Art.

Mit der Gründung des Museums wurde im Jahre 2006 eine Vision des Patrons Jakob Müller III. realisiert. Die Sammlung beinhaltet einerseits Exponate zur Technologie der Herstellung von textilen Bändern vom 17. Jahrhundert bis heute, anderseits auch einen Überblick über die Geschichte der Jakob Müller AG, die 1887 gegründet wurde und seither eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. Sie wird mittlerweile in fünfter Generation durch einen Vertreter der Familie Müller in die Zukunft geführt. Der Unternehmer- und Erfindergeist war schon immer ein Kennzeichen ihrer Firmenkultur. So wurden unter anderem das Reissverschlussband, der Klettverschluss und auch Autosicherheitsgurten durch bahnbrechende und patentierte Erfindungen der Jakob Müller AG entwickelt und zur industrialisierten Herstellung gebracht. Ein Grossteil der weltweit eingesetzten Autosicherheitsgurten wird mit Webmaschinen der Jakob Müller AG produziert. Diesen Pioniergeist konnten wir bei der Präsentation der vielen Exponate und der speziellen Bänder aus der Sammlung hautnah erleben.

Durch die Ausstellung geleiteten uns drei ehemalige Angestellte mit profundem Wissen über die Technik vom Handwebstuhl bis zur hochmodernen elektronisch gesteuerten Bandwebmaschine. Eindrücklich war der enge Bezug von modernster Technik zur Tradition, die in der Verbindung von Museum und der Ausstellung der neuesten Maschinen sowie der industriellen Produktion in unmittelbarer Nachbarschaft ihren Ausdruck findet.

Nach der Besichtigung waren die Löwen langsam hungrig. Sie setzten sich von Frick Richtung Südwesten in Bewegung, nach Wittnau und Kienberg, Ormalingen, durch das Grenzgebiet von Aargau und Baselland und einen Abstecher in den Kanton Solothurn, Tecknau, Kilchberg, Rünenberg, Diepflingen, Thürnen, Gelterkinden und Maisprach nach Magden und anschliessend hinauf zum Restaurant Dornhof, wo der feine Aargauerbraten serviert wurde. Wir genossen einen wunderschönen Tag, vielleicht den letzten Sommertag, und blieben in gemütlicher Runde lange sitzen. Nochmals ein ganz herzliches Dankeschön den Organisierenden.