Frühlingsausfahrt vom 18. Mai 2025, eine Reise ins Stumpenland
Die modernen Autos haben gegenüber unseren Oldtimern ja eine Vielzahl von Ausstattungsmerkmalen, die zwar oft sinnvoll und praktisch, manchmal aber auch fragwürdig sind. Die Vermehrung der Funktionen ist bald unüberschaubar. Allerdings verfügen unsere Oldtimer auch über Accessoires, die in modernen Autos verschwunden sind. Es sind dies die Aschenbecher, die früher praktisch und gut erreichbar vorhanden waren und dann aber allmählich in der Mittelkonsole versteckt wurden, bis sie ganz dem Zeitgeist zum Opfer fielen. Früher war das Rauchen ja weit verbreitet, und in der Schweiz wurde nicht nur in der Romandie Tabak angebaut, sondern auch im Aargau. Ziel der Frühjahrsausfahrt 2025 war das Zigarren- und Tabakmuseum in Menziken. Die Teilnehmenden trafen sich im Restaurant Linde in Büttikon bei Wohlen und nahmen gestärkt von Kaffee und Gipfeli die Fahrt über den Niesenberg nach Schongau, Müswangen nach Hitzkirch unter die Räder. Weiter ging es zum Hallwilersee nach Beinwil, Reinach und Menziken. Das Tabakmuseum befindet sich in einer ehemaligen Kapelle, in der die Geschichte der Tabakindustrie im Wynen- und Seetal mit einer eindrücklichen Sammlung dokumentiert wird. Tabak galt im 19. Jahrhundert als Heil- und Genussmittel. Die traditionelle Landwirtschaft hatte damals im Süden des Kantons Aargau etwelche Schwierigkeiten. Pionierleistungen innovativer Unternehmer brachten den Tabakanbau zur Hochblüte, daher wurden das aargauische Wynen- und Seetal als Stumpenland bezeichnet. Im Museum geben alte Maschinen und Geräte, historische Fotografien, Packungen, Produkte und vieles mehr einen Überblick über die Entwicklung dieser Industrie, deren Gründer Pioniere waren und Wohlstand in die arme Gegend brachten. Fast in jeder Familie gab es Mitglieder, die Arbeit in den über 150 nachweisbaren Firmen und Kleinbetrieben fanden. Namentlich in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs wurden grosse Teile der Produktion in die USA exportiert (offenbar unbehindert durch Zölle….). Die Kuratorin Ursula Rüesch und ihr Bruder führten durch die Ausstellung und erläuterten und demonstrierten die einzelnen Arbeitsschritte für die Herstellung von handgerollten Zigarren. Eindrücklich war auch die Vielfalt der Produkte und deren Verpackung, bei der bunte Bilder und exotische Motive dominierten. Ein paar Löwen liessen sich die Gelegenheit nicht entgehen, in der authentischen Umgebung eine Zigarre zu geniessen (natürlich nicht im Museum, sondern draussen an der Sonne oder in der Raucher-Lounge).
Nach dem Besuch der Ausstellung führte der Weg nach Gontenschwil zum Bad Schwarzenberg, wo uns ein feines Mittagessen erwartete, das sich bis weit in den Nachmittag zog.
Text Thomas Vögeli, Bilder Fredi Vollenweider